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Glück kommt selten allein
Information:
„Glück kommt selten allein...“ erschien am 21. Februar 2009 und verkaufte sich bislang über 1,5 Mio. mal. Ab dem 20. April 2011 ist der Erfolgs-Bestseller auch als Taschenbuch erhältlich.
Sie können es hier online bestellen!
„Glück kommt selten allein...“ erschien am 21. Februar 2009 und verkaufte sich bislang über 1,5 Mio. mal. Ab dem 20. April 2011 ist der Erfolgs-Bestseller auch als Taschenbuch erhältlich.
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Mit dem Glück ist es wie mit Diäten oder Erkältungs-
krankheiten:
Tausend Rezepte – aber keine überzeugenden Erfolge. Gar keine? Deutschlands lustigster Arzt findet die Trüffel der Glücksforschung, das Kuriose, Komische und Menschliche. Endlich spricht einer aus, was keiner wahr haben will: wir sind von Natur aus bestens geeignet, das Glück zu suchen, aber eklatant schlecht darin, zufrieden zu sein. Muss das sein? Wer die evolutionären Webfehler in unseren Wünschen kennt, hat gut Lachen. Ein Lesebuch der besonderen Art: mit Fotos vom Autor, Geld-Bastelbögen und Pinguin-Daumenkino. Ein erfrischend provokanter Perspektivenwechsel auf Finanzkrise, Partnerwahl und Erdbeermarmelade.
krankheiten:
Tausend Rezepte – aber keine überzeugenden Erfolge. Gar keine? Deutschlands lustigster Arzt findet die Trüffel der Glücksforschung, das Kuriose, Komische und Menschliche. Endlich spricht einer aus, was keiner wahr haben will: wir sind von Natur aus bestens geeignet, das Glück zu suchen, aber eklatant schlecht darin, zufrieden zu sein. Muss das sein? Wer die evolutionären Webfehler in unseren Wünschen kennt, hat gut Lachen. Ein Lesebuch der besonderen Art: mit Fotos vom Autor, Geld-Bastelbögen und Pinguin-Daumenkino. Ein erfrischend provokanter Perspektivenwechsel auf Finanzkrise, Partnerwahl und Erdbeermarmelade.
Leseprobe
Leben ist wie Zeichnen ohne RadiergummiFrisch getrennt? Schauen Sie sich jetzt auf keinen Fall die gemeinsamen Fotos an! Sie machen sich unglücklich! Ich spreche aus Erfahrung. Auch wenn man denkt, Fotos würden die Wirklichkeit abbilden, trügen sie uns auf eine ganz perfide Art: durch die selektive Wahrnehmung. Wenn man die schönen Urlaube, Geburtstagspartys und großen Feste mit Bildern noch einmal vor das geistige Auge holt, kann man nur melancholisch werden: Eigentlich war doch alles schön!
Es war eben nicht alles schön! Nur in den unschönen Momenten hat man keine Fotos gemacht! Wer traut sich schon, mitten im heftigsten Streit seinem Partner zu sagen: «Stopp! Halt bitte diesen Gesichtsausdruck noch einen Moment – ich hole schnell die Kamera. Ich will dich genau so in Erinnerung behalten! »? Das tut ja keiner. Deshalb sind Fotos so unrealistisch – nur Sonnenuntergänge, keine Sonnenbrände, Jubiläen statt Alltag, Geschenke statt Verluste. Statt verzerrten Gesichtern nur eine verzerrte Erinnerung.
Die Foto-Verzerrung habe ich sogar schon bei den Kindern meiner Freunde beobachtet. Die waren gerade am Nölen, aber in dem Moment, als eine Digitalkamera auf sie gerichtet wurde, setzten sie sofort ihr schönstes Lächeln auf. Klassische Konditionierung. Im wahrsten Sinne ein Lächeln auf Knopfdruck. Erziehung im Medienzeitalter bedeutet intuitive Imagepflege schon im Vorschulalter. Den Kindern war klar: Mit dem Gesicht möchte ich nicht für die Ewigkeit festgehalten werden, noch nicht mal für den Augenblick.
Die Digitalkamera hat unseren Umgang mit Gegenwart, Erinnerung und Glück wirklich revolutioniert. Vor 100 Jahren war Fotografieren ein Staatsakt. Alle mussten unbewegt gucken, bis die Mimik auf die Silberplatte gebrannt war. Aus dieser Zeit sind deshalb kaum Fotos mit lachenden Menschen überliefert – ein methodisches Artefakt.
In meiner Kindheit waren Fotos noch Luxus. Der Film wurde erst zum Entwickeln gegeben, wenn er voll war. Und bei 24 Bildern konnte das schon mal mehrere Weihnachtsfeste dauern. Später gab es immer mehr Passbildautomaten. Die hatten zwar keine Silberplatte, aber für den Pass durfte ebenfalls auf keinen Fall gelacht werden. Die Humorfreiheit der Beh¨rden überdauert bis heute die Erfindung des Blitzlichtes. Hatte man aber einen gültigen Ausweis und noch Geld übrig, bestand der wahre Freundschafts- und Liebesbeweis darin, sich gemeinsam in die Kabine zu quetschen. Die Freude daran kam der Digitalfotografie schon nahe, denn von der Grimasse bis zum Abzug dauerte es nur 5 Minuten, in denen einen das Föngebläse auf die Folter spannte.
Und heute im Zeitalter der Digitalfotografie dauert es keine 0,5 Sekunden mehr, und es kostet nix. Jeder schnappt sich eine Kamera, und kollektiv schnappen alle über. Das Leben wird zu einer Aneinanderreihung von Schnappschüssen. Alles festhalten. Nur keinen Moment verpassen. Und ohne es richtig zu merken, verpassen wir genau dadurch ganz viele Momente. Denn die Kamera schiebt sich zwischen uns und die Gegenwart. Der Suchende hinter dem Sucher ist eben nicht im Moment, sondern momentan anderweitig beschäftigt, um den Moment festzuhalten, den er selbst gerade verpasst. Und um doch noch selbst Teil des Momentes zu werden, streckt der Kamerahalter den Arm aus, und die gute Laune verhungert am ausgestreckten Arm, weil nie die richtige Anzahl von Köpfen und Körperteilen auf dem Bild landet.
Papierfotos kommen aus der Vergangenheit, und dass man früher doof aussah, ist verzeihlich. Digitalfotos sind gerade ein paar Sekunden alt, und da hilft kein Beschönigen – nur ein Flehen: «Bitte lösch mich sofort!» Oder wenigstens Bildbearbeitung. Ihre Kunst lässt jeden plastischen Chirurgen alt aussehen. Im Notfall helfen immer die Programme «Schwarz- Weiß» oder «Sepia», um das Elend der geröteten Augen und Hautpartien zu vertuschen. Und «Aquarell» macht selbst aus Pickeln Pointillismus. Digitale Schönfärberei, bis wir uns selbst wieder glauben.
Was ich komisch finde: Je älter die Aufnahmen, desto jünger sieht man darauf aus. Und mit etwas zeitlichem Abstand kann man auch wieder drüber lachen. So wie damals beim Abholen der Papierbilder. Die wichtigste Bildbearbeitungssoftware bleibt unsere Erinnerung. Man muss ihr nur Zeit lassen für die Entwicklung. Dann experimentiert sie in der Dunkelkammer unseres Gedächtnisses so lange mit dem Weichzeichner, bis wir uns wieder ins Gesicht schauen und überzeugen können: Eigentlich war früher doch alles schön!
Fotos vom Autor
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